Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Über Beziehungen, Polygamie und Bindungstrauma

Photo by Dorota Dylka on Unsplash

von Autor

Ein spannendes Phänomen, das mir in den letzten Jahren begegnet, ist die landläufige Meinung immer bewusster werdender Menschen, dass die neuen Beziehungen, also jene, die nicht aus dem alten Trauma der Bedürfnisfabrik stammen, automatisch im Modell der offenen, polygamen Beziehungen landen müssen. Vor allem in der spirituellen Szene, aber auch in der Arbeit mit Mensch und innerhalb meines sozialen Umfelds habe ich das Phänomen beobachtet. Doch wie ist es im wirklichen Leben und dem Wissen, das aus waschechter, gelebter Erfahrung speist? Darüber möchte ich dir in dem folgenden Blogbeitrag berichten.
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Ein spannendes Phänomen, das mir in den letzten Jahren begegnet, ist die landläufige Meinung immer bewusster werdender Menschen, dass die neuen Beziehungen, also jene, die nicht aus dem alten Trauma der Bedürfnisfabrik stammen, automatisch im Modell der offenen, polygamen Beziehungen landen müssen. Vor allem in der spirituellen Szene, aber auch in der Arbeit mit Mensch und innerhalb meines sozialen Umfelds habe ich das Phänomen beobachtet.

Ich schreibe hier bewusst müssen, denn irgendwie setzt sich diese Vorstellung hartnäckig in den Köpfen eben jener Menschen fest, weil in spirituellen Kreisen die totale Erwartungsfreiheit propagiert wird, die eben scheinbar auch beinhaltet, dass jeder mit jedem vögeln darf, wie ihm lustig ist. Oder aber es gibt einen „Hauptpartner“ und für gewisse Gelegenheiten mehrere drum herum. Frei nach dem Motto, einen für den Alltag und das Bett, einen als Elternteil für die künftigen Kinder und einen oder mehrere für Orgien, in denen all die bislang unterdrückten Fantasien ausgelebt werden können.

Als sich das Thema zu dem Beitrag hier in meinem Kopf formte, Gestalt annahm und mit Leben füllte, fiel mir ein, dass selbst in der Bibel Polygamie total normal und üblich gewesen ist. Dass Evolutionsbiologen sagen, dass der Mensch nicht darauf ausgelegt ist eine, im besten Falle, lebenslange, monogame Verbindung einzugehen, weil laut Evolutionstheorie es darum geht, seinen Samen möglichst weit zu streuen, um möglichst viele, überspitzt gesagt, über die ganze Welt verstreute Nachkommen zu zeugen und als Beweis ziehen sie die nächsten tierischen Verwandten von uns Menschen als Ass aus dem Ärmel, um diese Theorie zu untermauern.

Doch wie ist es im wirklichen Leben und dem Wissen, das aus waschechter, gelebter Erfahrung speist? Darüber möchte ich dir in dem folgenden Blogbeitrag berichten.

Das „alte“ Beziehungsmodell, das jeder von uns mindestens einmal erlebt und gelebt hat, ist jenes, das aus der großen Fabrik der Bedürfnisse stammt. Es treffen sich zwei Menschen. Jeder dieser Menschen ist in gewissen Punkten im Mangel und braucht etwas, das der andere zu geben hat. Das kann die Idee sein, dass ich einen Partner brauche, mit dem ich die Freizeit gestalten kann oder Frau braucht einen Mann, der sie finanziell versorgt oder Mann braucht eine Frau, damit sie ihm den Haushalt schmeißt. So werden aus zwei halben Menschen scheinbar ein Ganzer und das nannte sich Beziehung. Das Problem an diesem Beziehungskonstrukt ist das, dass es nur so lange funktioniert, wenn beide sich gegenseitig ihre Bedürfnisse befriedigen. Damit verbunden sind allerlei Erwartungen, die teilweise gar nicht exakt in Worte zu fassen, jedoch beim anderen absolut spürbar sind. Nämlich in Form von Druck.

Den Druck spüren Männer wie Frauen gleichermaßen, er äußert sich nur auf unterschiedlichen Ebenen. Bei Frauen ist der Druck vor allem im Bereich der Sexualität da und bei Männern im präsent sein innerhalb dieser Beziehung. Typisches Kennzeichen dieser Form von Beziehung ist das so genannte runner-chaser Verhalten, die beide ihre Ursache in einem Bindungstrauma haben, dessen Grundstein in den ersten drei Lebensjahren gelegt wurde. Der Runner ist jener Part, der wegläuft, wenn es zu eng wird und der Chaser ist jener Part, der in diesen Situationen anfängt zu klammern. Beidem zugrunde liegt eine tiefe Angst abgewiesen und verlassen zu werden, weil genau das dem Erfahrungsspektrum des Kindes, das beide einst gewesen sind, entspricht. Mit anderen Worten ausgedrückt, nicht zwei erwachsene Menschen führen eine Beziehung, sondern zwei bedürftige kleine Kinder, die sich im destruktiven Kreislauf von Opfer-Täter-Retter befinden und sie innerhalb dieser Spielwiese sprichwörtlich immer im Dreieck springen. Unzufriedenheit, Frust, Genervt sein und ein enttäuschendes Sexualleben sind die Folge davon. Ich kenne sogar Menschen, die auf genau diesem Modell über mehr als vier Jahrzehnte ihre Ehe aufgebaut haben und eines schönen Tages der große Schreck kam, als das Kartenhaus auseinander fiel und die Realität hereinbrach.

Liebe in "alten" Beziehungen ist keine Liebe. Es ist eine falsch verstandene und an Bedingungen geknüpfte Liebe, deren Grundlage die Traumaenergie ist.

Was sind die Gründe, weshalb diese Form von Beziehung das Standardnormal-Modell gewesen ist?

Historisch betrachtet waren Ehen arrangiert und erfüllten den Zweck, die Frau zu schützen. Dafür sorgte sie für den Haushalt und den Fortbestand der Ahnenlinie. In Adelskreisen hatten Ehen vor allem strategische Vorteile. Sie waren Teil eines Bündnisses, um das eigene Territorium sinnvoll zu vergrößern, stärken oder irgend einen anderen Vorteil daraus zu ziehen. Liebe und Gefühle hatten dabei wenig bis gar keinen Raum. Auch wenn im Verlauf des 20. Jahrhunderts in unserem Kulturkreis immer weniger Ehen arrangiert wurden, waren die Beziehungen dennoch auf dem gleichen Prinzip aufgebaut. Was sich geändert hat war, dass die Gefühle mehr und mehr eine Rolle spielten und ein Bewusstsein für die Liebe hinzugekommen ist.

Das Problem war an dieser Stelle jedoch, dass selbst die Liebe hier, keine reine Liebe, die automatisch zur Augenhöhe führt, war. Sondern es ist eine falsch verstandene und an Bedingungen geknüpfte Liebe gewesen, deren Grundlage die Traumaenergie ist. So wurden Beziehungen eingegangen, weil die Frau plötzlich schwanger war, um endlich von zuhause ausziehen zu können, um das Heim und die heile Familie zu haben, die die beiden sich schon immer gewünscht haben oder andere Gründe, die alle auf dasselbe hinauslaufen: Ich brauche etwas, was ich mir scheinbar selbst nicht geben kann und dann treffe ich auf einen anderen, der etwas braucht, das ich zu geben habe und wir machen einen Deal. Dieser Deal funktioniert genau so lange, bis entweder einer der beiden aufwacht und erkennt, dass sich im Grunde nichts geändert hat an dem, was er oder sie vom Elternhaus her kennt oder das Leben mindestens einen zum Hinschauen zwingt.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal gesagt habe, dass in den kommenden Jahren alles, was auf Traumaenergie gebaut ist, gnadenlos auseinanderbrechen wird. Ich meine, es muss so um 2017 herum gewesen sein. Dieses anfängliche Wissen bestätigte sich in den Folgejahren durch meine Beobachtungen und Erfahrungen. Spätestens seit März 2020 ist es offensichtlich. Der Grund, weshalb vor allem in den vergangenen eineinhalb Jahren so vieles zusammen- und auseinandergebrochen ist, sind nicht die Lockdowns, Shutdowns und der dazwischen erlaubte Freigang und es ist seither auch keine Spaltung im Feld, der Gesellschaft oder wo auch immer entstanden. Im Gegenteil, die Spaltungen und Trennungen waren die ganze Zeit schon da, der Erfahrungsraum vergangener bummelig 2000 Jahren. Jetzt werden sie nur durch die äußeren Umstände alle sichtbar, so dass jeder Einzelne aufgefordert ist, hinzuschauen. Es sind deshalb so viele Beziehungen auseinander gegangen, weil sie alle auf dem Fundament von Traumaenergie aufgebaut waren. Viele Menschen waren bereits vor dieser Zeit auf ihrem Weg, haben erkannt, dass sie in den Beziehungen das Modell ihrer Eltern nachgestellt haben und sich, abgesehen von den beteiligten Personen, nicht wirklich etwas geändert hat. Haben auch erkannt und gespürt, dass es sie gibt, die bedingungslose Liebe, Beziehung oder besser gesagt Partnerschaften auf Augenhöhe. Gleichzeitig schlummert im Untergrund noch immer das Bindungstrauma, dessen Erinnerung im Zellgedächtnis des Körpers gespeichert und deren Erfahrungen tief ins neuronale Netz verwoben ist. Das heißt, es gibt gelebtes Erfahrungswissen vom alten Modell von Beziehungen, mit allem was dazu gehört, vor allem jedoch mit den damit verbundenen Ängsten, dem Druck, der Enge und dem mit sich selbst geleisteten Schwur (welcher zumeist unbewusst getroffen wurde), nie wieder den Schmerz zu fühlen, den du als Kind gefühlt hast. Für das Modell der neuen Beziehungen auf Augenhöhe gibt es keinerlei Erfahrungen, auf die du zurückgreifen kannst. Da ist lediglich dieser Traum in dir, der bereit ist in die Materialisation zu kommen. Für alles weitere bist ausschließlich du selbst verantwortlich und ein Pionier auf völlig neuen Pfaden.

Es gibt mittlerweile allerlei geschriebenes Wort darüber, was Bedingungslosigkeit innerhalb von Beziehungen bedeutet. Ein Punkt ist der, dass du nicht davon ausgehen darfst, dass dein Partner und du sexuelle Exklusivität füreinander genießen dürft. In besagten Büchern steht ebenfalls, dass du es bedingungslos zu akzeptieren hast, wenn dein Partner den Wunsch verspürt mit einem oder mehreren anderen Frauen oder Männern Sex zu haben und, dass wenn du dann darauf mit Eifersucht oder Empörung reagierst, du einfach nur noch nicht weit genug bist in deinem Prozess. Mit anderen Worten findet eine Verlagerung der Traumata auf spiritueller Ebene statt und dir wird die Schuld gegeben, wenn diese Vorstellung von Sexualität nicht mit dir in Resonanz geht und du dir sexuelle und partnerschaftliche Exklusivität von deinem Partner wünschst.

Eine gelebte Beziehung auf Augenhöhe ist frei von Machtspielen und dafür voller Möglichkeiten für heilsame und neue Erfahrungen sowie eine große Spielfläche für erfüllende Sexualität mit nur einem einzigen Partner.

Erwartungsfreiheit heißt nicht, dass du keine Vorstellungen und Standards haben darfst, wie du dir deine gelebte Beziehung auf Augenhöhe wünschst. Erwartungsfreiheit heißt auch nicht, dass du keine Erwartungen im Sinne von go’s und no go’s haben darfst und Erwartungsfreiheit heißt ebenfalls nicht, dass du um deines Partners Willen all das mitmachen musst, obwohl es sich für dich nicht stimmig anfühlt.

Eine gelebte Beziehung auf Augenhöhe setzt in erster Linie ein Commitment voraus. Ein Commitment für dich selbst, deinen Partner UND eure Beziehung. Sie braucht viel Freiraum und Klarheit auf allen Ebenen, vor allem jedoch eine klare Kommunikationsstruktur und -kultur, über die Dinge reden zu können. Eine gelebte Beziehung auf Augenhöhe ist frei von Machtspielen und dafür voller Möglichkeiten für heilsame und neue Erfahrungen sowie eine große Spielfläche für erfüllende Sexualität mit nur einem einzigen Partner. In einer gelebten Beziehung auf Augenhöhe bist du in den Menschen verliebt, genau so wie er jetzt. Nicht in sein Potential, das du siehst und er oder sie sich dort hinzuarbeiten hat. Eine gelebte Beziehung auf Augenhöhe findet somit immer im hier und jetzt, dem gegenwärtigen Moment statt. Dies ermöglicht Realität und Realität führt automatisch zu Wachstum.

Menschen, die sich andere Partner, sei es auch „nur“ auf sexueller Ebene, offen halten wollen, sind (noch) nicht dazu in der Lage sich tief binden zu wollen. Sie sind noch immer gefangen in ihrem Bindungstrauma von einst, sind entweder im Verstand und fühlen entsprechend wenig oder sind nur im Herzen und fühlen alles andere, nur sich selbst nicht. Innerhalb der Traumaenergie macht das auch absolut Sinn, nur hat das dann nichts mit echter Liebe zu tun. Echte partnerschaftliche Liebe ist verbindlich, exklusiv, monogam und vor allem einfach.

Die Sexualität ist dabei ein Raum echter Heilung. All die Prozesse, durch die du im Grunde auch allein gehen kannst, kommen mit einem Partner, der bereit ist, den Weg mit dir zu gehen, viel schneller, tiefgreifender und nachhaltiger in Heilung. Der Grund dafür ist einfach: Beim Sex habt ihr eure Körper mit dabei. Sex ist, neben Schlaf, die reinste Form des Seins und vermag es dich tief in deinem Körper zu verankern. Durch Sex löst sich auch nach und nach all die in den Gewebsschichten gespeicherte Traumaenergie heraus. Das erkennst du daran, dass die Schmerzen beim Sex verschwinden, deine Orgasmusfähigkeit sich entwickelt und vertieft, ihr nach dem Orgasmus noch in- und miteinander verbunden sein könnt.

Bei dieser Form der Sexualität, ich nenne sie Seelensex, können wir den Zustand der Einheit erleben und erfahren. Es treffen sich eben nicht nur zwei Körper, die Flüssigkeiten miteinander austauschen, sondern es findet eine echte seelische Begegnung zwischen den Partnern statt. Viele Männer und auch Frauen halten die starken Energien, die beim Seelensex freigesetzt werden, nicht aus. Um die Gefühle, die dadurch in Berührung kommen, nicht fühlen zu müssen, gleitet der Mann direkt nach dem Orgasmus aus der Frau heraus oder aber er ejakuliert viel lieber auf als in ihr. Seelensex ist eine gesunde Spielwiese für Erwachsene, die nur dann so richtig gelebt werden kann, wenn sich beide Partner für sich selbst und für den anderen entscheiden. Seelensex funktioniert nicht, wenn eine polygame Beziehungsform (in Gedanken oder real physisch) gelebt wird. Kann sie gar nicht. Denn durch die Sexualität entsteht auf energetischer Ebene ein Band zwischen beiden Partnern, durch das das Weibliche das Männliche im besten Sinne nährt. Hat einer oder haben beide nun innerhalb der Beziehung noch andere Sexualpartner, dann sind diese energetisch immer mit dabei und das wiederum verhindert die Intimität und tiefe Verbundenheit wahrer Liebe.

Am Ende des Tages unterscheiden sich vom äußeren Konstrukt her die alten traumabasierten Beziehungen nicht von den neuen, liebesbasierten Beziehungen. Das Entscheidende ist die Energie hinter dem Konstrukt, die eine völlig andere ist. Diese Energie schenkt beiden Partnern die Freiheit, die zu sein, die sie sind. Sie macht deine wahre Attraktivität aus, die für deinen Partner unwiderstehlich ist.

Wenn du spürst, dass du an innere Blockaden kommst, sich ungelöste Traumata, Erlebnisse oder Geschichten zeigen und du Unterstützung auf deinem Weg möchtest, dann melde dich bei mir für ein Kennlerngespräch und lass uns schauen, wie ich dir am besten helfen kann.

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Jessica Josiger

Ich bin
Eine Frau.
Tochter, Mutter, Freundin.
Eine Liebende, Partnerin, Geliebte.
Licht der neuen Zeit. Geboren aus dem Alten.
Eine von Zweien.
Teil des All-EINen. EIN-SAMen, der zum Licht strebt.
Seelenbegleiterin. Spirituelle Nomadin. Ewige Seele, die vor zeitloser Zeit beschlossen hat, sich in ihrer vollkommenen Schönheit und Ganzheit zu erfahren.
Und, ich bin ein Mensch. Der hinfällt und wieder aufsteht. Der neu laufen lernt. Frei, verantwortungsvoll, mein mir bestimmtes Leben lebend. Der lernt neu zu fühlen. Sich neu zu fühlen. Seine Gaben, Wünsche, Werte.

Mein Name ist Jessica Josiger. Nach menschlichen Etiketten bin ich Diplom Pädagogin, Traumafachberaterin, Schamanin, zertifizierte Onlineberaterin und Offizier. Spirituelle Nomadin ist meine eingetragene Marke. Gebürtig stamme ich aus dem Erzgebirge und lebe mit meinen beiden Kindern in Flensburg. Mir wird nachgesagt, dass ich mit meinen Worten Fragen beantworte. Ich liebe meinen Beruf und bin dankbar ihn in der Weise ausüben zu dürfen.

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