Das Erwachen

von Autor

Wärme beginnt deinen Körper zu durchströmen. Du kannst diese Wärme zunächst nicht orten, denn noch ist die Kälte zu groß. Du glaubst, diese Wärme kommt von Außen. Du glaubst, du seist in der Hölle gelandet, weil du durch die Prüfung deiner Einweihung gefallen bist. Doch du hast gelernt diese Gedanken zu ignorieren. Sie sein zu lassen und schon verpuffen sie wie Schall und Rauch.

Das, was bleibt, ist die Wärme. Du spürst ihr nach. Willst fühlen, woher sie kommt. Willst prüfen, ob ihre Quelle wirklich außerhalb von dir ist.
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Wärme beginnt deinen Körper zu durchströmen.

Du kannst diese Wärme zunächst nicht orten, denn noch ist die Kälte zu groß. Du glaubst, diese Wärme kommt von Außen. Du glaubst, du seist in der Hölle gelandet, weil du durch die Prüfung deiner Einweihung gefallen bist. Doch du hast gelernt diese Gedanken zu ignorieren. Sie sein zu lassen und schon verpuffen sie wie Schall und Rauch.

Das, was bleibt, ist die Wärme. Du spürst ihr nach. Willst fühlen, woher sie kommt. Willst prüfen, ob ihre Quelle wirklich außerhalb von dir ist.

Du spürst, du fühlst, du prüfst und stellst fest, diese Quelle ist in dir.

Sanft und gleichmäßig pulsiert sie mitten im Zentrum deines Herzens. Wie ein sanfter, warmer Sommerwind, der durch deine Haare weht. Nur mit dem Unterschied, dass dieser sanfte, warme Sommerwind in dir ist. Er ist dein Netz und doppelter Boden. Scheinbar zerbrechlich und dennoch so stark wie Stahl.

Du lässt dich hineinfallen in dieses Netz und ihr werdet eins.

Der Sarg öffnet sich. Du liegst mit geschlossenen Augen da und siehst alles glasklar vor dir. Du kannst die Bilder und Menschen nicht zuordnen. Kannst in dem Sinne nichts mit ihnen anfangen, weil sie nichts mit deiner Realität hier in Ägypten zu tun haben. Dennoch weißt du, alles ist wahr. Ein Frieden von noch nie dagewesener Kraft durchströmt dich, pulsiert durch deine Adern und hüllt dich darin ein.

Du öffnest sachte deine Augen. Alles ist hell. So unsagbar hell. Willst dich bewegen, doch es geht nicht. Dein Körper will dir nicht gehorchen. Du schwach sind seine Muskeln. Zu lange hast du reglos hier in diesem Sarg gelegen. Doch wie lange ist ‚zu lang’? Waren es Stunden, Tage oder gar Wochen? Du weißt es nicht. Du weißt nichts mehr.

Hände berühren sanft deine Haut, heben dich hoch, raus aus dem Sarg und tragen dich weg. Doch wohin? Du weißt es nicht. Du weißt nichts mehr.

Deine Sinne laufen auf Hochtouren. Du nimmst alles um dich herum um ein Vielfaches wahr. Noch immer ist alles so gleißend hell, dass du nichts siehst. Du siehst nichts, außer ein paar Augen, die dich voller Liebe und Güte anschauen. In diesem Moment drängt es dich zurück in die Dunkelheit. Du schließt deine Augen und alles um dich herum wird dunkel und still.

Die folgenden Tage und Wochen verbringst du in einer Dämmerwelt zwischen Tag und Nacht. Manchmal kommst du zu Bewusstsein und nimmst wahr, dass dein Körper in sanfte Decken gehüllt ist. Hier riecht es so gut nach zu Hause, nach Geborgenheit und etwas, das du nicht zuordnen kannst. Doch im nächsten Augenblick dämmerst du wieder weg. Zurück in die Dunkelheit.

Du träumst. Und während du träumst, dreht sich die Uhr in der Welt außerhalb von dir weiter und innerhalb von dir träumst du dir deine Welt. In dieser deiner Welt geschieht alles immer nur jetzt in diesen einem Augenblick. Du träumst von dem weißem Pulver, dass aus den Wolken regnet und die Erde bedeckt. Träumst von Häusern mit kleinen Fenstern, in denen viele Menschen leben. Träumst von schwarzen Kästen, aus denen bewegte Bilder heraus schauen. Träumst von allerlei Dingen, die in der Welt außerhalb von dir keinerlei Sinn ergeben und dennoch sind sie real. Sie sind da, sind echt und somit wahr.

Du erlebst die nächste Stufe deiner Einweihung. Die des träumenden Bewusstseins und durchschreitest dabei das Tor zu deiner eigenen Schöpferkraft.

Du lässt dich hineinfallen in dieses Netz und ihr werdet eins.

Irgendwann nach zeitloser Zeit wachst du auf. Alles scheint wie immer. Die Welt außerhalb von dir hat sich weiter gedreht. Du nimmst deine Aufgaben als Hohepriesterin wie gewohnt wahr, doch in dir drin ist nichts mehr wie es gewesen ist. Dein Leben scheint wie ein riesiger Traum. Dein Bewusstsein nimmt alles um ein Vielfaches auf und eines Tages erkennst du, dass nicht alle Menschen so sehen und fühlen wie du.

Innerhalb der Tempelmauern ist alles gut. An den Tagen, an denen du dich außerhalb dieser aufhältst, fühlst du dich wie diese seltsamen Tiere, die du während deines langen Schlafes immer wieder in diesen engen Käfigen hast kreisen sehen. Die Blicke der Menschensöhne kann ein Teil deines Bewusstseins nicht zuordnen. Ein anderer Teil wiederum verstand all das. Deine Einheit bekam einen Riss, die Spaltung in dir Begann und dein Schicksal nahm seinen Lauf.

In den folgenden Wochen und Monaten hast du begonnen ein Doppelleben zu führen, in dem du dich über ein Gebot der Eingeweihten hinweg gesetzt hast. Du hast begonnen die Menschensöhne außerhalb der Tempelmauern von den heiligen Gesetzen zu erzählen und sie zu unterrichten. Alles begann damit, dass du nur ein einziges Mal dich außerhalb der Tempelmauern genauso natürlich bewegen und sein wolltest, wie innerhalb dieser. Also hast du dich in die Kleidung der Menschensöhne gehüllt. Jetzt sahst du aus wie sie und wiederum doch nicht. Dir ist aufgefallen, dass du dennoch auffällst. Jetzt scheinbar noch mehr als zuvor, denn die Menschensöhne haben begonnen hinter vorgehaltener Hand zu tuscheln. Einige wenige waren mutig, kamen auf dich zu und fragten dich wer du bist und was du machst. So ergaben sich allerlei Gespräche und du begannst von deiner Welt zu erzählen. Für sie waren es Geschichten voller Mythos und Abenteuer, doch für dich war es die glasklare Wahrheit all dessen was ist.

Zu Beginn lauschten nur wenige deinen Worten. Doch mit der Zeit wurden es immer mehr, so sehr hast du sie mit deinen Worten verzaubert und zu groß waren die Wunder, die sich für die Menschensöhne daraus ergaben.

Dein Treiben sprach sich wie ein Lauffeuer im gesamten Land herum und es kam, dass nun auch innerhalb der Tempelmauern von dieser geheimnisvollen Frau gesprochen wurde und der Pharao, ER, der alles sieht, davon erfuhr.

Ein Geheimnis blieb.

Für sie waren es Geschichten voller Mythos und Abenteuer, doch für dich war es die glasklare Wahrheit all dessen was ist.

Kein Mensch innerhalb und außerhalb der Tempelmauern wusste, wer diese Frau ist, die von den Gesetzen des Universums und des Schöpfungsrhythmus sprach. Keiner, auch nicht ER. Deine Welt stand Kopf, nahmst du doch an, dass zumindest ER alles durchschaut und erkennt. Du hast nichts weiter getan als das umzusetzen, was ER dich in all der Zeit gelehrt hat und bist deinem inneren Ruf gefolgt. Doch die Erkenntnis, dass deine Essenz, also du vor seinen Augen verborgen bleiben kann, säte einen Keim des Zweifels in dir. Die zweite Tür der Spaltung ward geöffnet.

In den darauffolgenden Wochen und Monaten teiltest du dein Bewusstsein, so wie du es während deiner Einweihungszeremonie im Sarg erfahren und zuvor gelernt hattest. Du führtest deinen Alltag und dein Leben fort und gleichzeitig schicktest du den höchsten Teil deines Bewusstseins auf Beobachtungsreise. Dieser Teil verfolgte jeden Schritt von IHM um eine Antwort auf die Frage zu finden, weshalb er dein Geheimnis nicht entschleiern kann.

Ein Fest stand vor der Tür. Es war das Fest des großen Sonnengottes Ra. Zu seinen Ehren trafen sich tausende und abertausende von Menschensöhnen an den Pyramiden an. Dein Platz war zusammen mit den anderen Hohepriesterinnen am Kopf des Festzugs, direkt hinter dem Pharao. Ihr ward seine Schultern.

Der Pharao ging ins Innere der Pyramide. Die anderen Hohepriesterinnen und du hatten ihren Platz draußen am Fuß der Pyramiden. Ihr standet in Form einer Raute und spracht eure Gebete vor euch hin. Das tatest du auch. Warst hier in der Raute mit den anderen Hohepriesterinnen, dein Körper sprach die Gebete, doch dein Bewusstsein hast du ausgedehnt, immer weiter, bis sich ein Teil deiner Seele direkt neben dem Pharao befunden hat und dieser mit ihm ins Innere der Pyramide lief. So konntest du sehen, hören, jedoch vor allem fühlen, was sich innerhalb der Pyramide abspielte.

Der Pharao stellte sich auf den Altar, der sich direkt unter der Spitze der Pyramide befand. Er streckte seine Arme zur Seite, leicht in Richtung Himmel geneigt, legte seinen Kopf in den Nacken, so dass sein drittes Auge nach oben blickte. In diesem Moment schien es, als ob sich die Pyramide an ihrer Spitze nach oben hin öffnete. Ein gewaltiger Energiestrom floss herab und direkt in den Körper des Pharaos hinein. Doch sie floss nicht hindurch, wie du es von dir gewohnt gewesen bist, sondern blieb auf Höhe des Herzens stecken, endete dort abrupt und dehnte sich von dort aus seinem Körper wieder heraus. Du fragtest dich, wie ER das halten kann, ohne dass es seinen Körper zerreißt und seine Nerven verbrennen.

Du standest die ganze Zeit über an der Seite in der Nähe der beiden Wächter. ER beendete sein Ritual. ER ließ die Arme sinken und auch seinen Kopf. ER nahm einen Bruch in der Energie des Raumes wahr und ließ seinen Blick schweifen. In diesem Moment kreuzten sich eure Blicke und ER erkannte dich. Deine Tarnung war aufgeflogen, dein Geheimnis entdeckt. Doch anstatt Vorwürfe, sahst du nur Liebe in seinem Blick.

Die Palastwachen führten dich oder besser den Teil deiner Seele, die sich innerhalb der Pyramide befand, ab und begleiteten ihn hinaus zu deinem Körper. Du standest da und mit einem Mal erkannten dich alle. Jeder einzelne Mensch hier an diesem Ort. Du hörtest Worte rufen. „Wie konntest du nur?“, fragten sie dich. Du nahmst all das um dich herum wahr, doch du bliebst still.

Sie führten dich zu einer Anhöhe und stellten dich auf einen Felsen. Zu deinen Füßen all die Menschen des Volkes. Es flogen Steine zu dir herauf. Einige trafen dich, andere wiederum nicht. Dein Körper fiel zu Boden und starb schließlich. Du spürtest nichts. Keinen Stein, keinen Schmerz. Nichts.

Es ward dunkel und still.

Du träumst.
Träumst all die Bilder, Geschichten und Szenen von der Zeit nach deiner Einweihung erneut.

Du wachst auf.
Dein Körper eingemummelt in einem warmen Federbett und öffnest die Augen. Alles scheint gleich, doch nichts mehr wie es war. Ein zartes Lächeln umgibt deine Lippen, ein alter neuer Glanz liegt in deinen Augen. Du bist wach und alles ergibt plötzlich einen Sinn.

Jessica Josiger

Ich bin
Eine Frau.
Tochter. Mutter. Freundin.
Eine Liebende.
Licht der neuen Zeit. Geboren aus dem Alten.
Eine von Zweien.
Teil des All-EINen. EIN-SAMen, der zum Licht strebt.
Seelenbegleiterin. Spirituelle Nomadin. Ewige Seele, die vor zeitloser Zeit beschlossen hat, sich in ihrer vollkommenen Schönheit und Ganzheit zu erfahren.
Und, ich bin ein Mensch. Der hinfällt und wieder aufsteht. Der neu laufen lernt. Frei, verantwortungsvoll, mein mir bestimmtes Leben lebend. Der lernt neu zu fühlen. Sich neu zu fühlen. Seine Gaben, Wünsche, Werte.

Mein Name ist Jessica Josiger. Nach menschlichen Etiketten bin ich Diplom Pädagogin, Traumafachberaterin, Schamanin, zertifizierte Onlineberaterin und Offizier. Spirituelle Nomadin ist meine eingetragene Marke. Gebürtig stamme ich aus dem Erzgebirge und lebe mit meinen beiden Kindern in Flensburg. Mir wird nachgesagt, dass ich mit meinen Worten Fragen beantworte. Ich liebe meinen Beruf und bin dankbar ihn in der Weise ausüben zu dürfen.

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